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DE – Raga CDs des Monats (09/2014): RABINDRA SANGEET (Teil 1 und 2)

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on September 14, 2014

Teil1: Rabindra Sangeet – Lieder von Tagore…

Als Rabindra Sangeet wird in Indien ein musikalisch-literarisches Konzept bezeichnet, das sich im 20. Jahrhundert als ein eigenständiges Genre etablierte. Darin ist die indisch klassische Musik eingebettet, gleichermassen die nordindische Klassik – Hindustani wie die Klassik Südindiens – die karnatische Musik.
Das Konzept wurde von dem indischen Universalgenie Rabindranath Tagore begründet. Im Englischen wird Rabindra Sangeet als „Tagore Songs“ – „Lieder von Tagore“ übersetzt.

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R. Tagore in Kolkata, c. 1915

Tagore’s Gesamtwerk umfasst aus einer etwa 60-jährigen Schaffenszeit bis zu seinem Tod im Jahre 1941 (7. Mai 1861 – 7. August 1941) mehr als 2200 Lieder, neben ca. 1000 Gedichten, zwei Dutzend Theaterstücken, Tanzdramen, acht Novellen, mehrere Ausgaben von Kurzgeschichten und vielfältige literarischen Werken mit sozialen, religiösen, politischen und erziehungswissenschaftlichen Essays und Beiträgen zu Filmwerken und als Maler.

Sendetermin…

15. September 2014 – 22:00-22:58 Uhr CET (4:00-4:58 pm EST) @ TIDE Radio (DE)
(Premiere:  16. März 2009 – 22:00 Uhr MESTZ @ Tide Radio)
broadcasting plan | streaming (Internet Radio & Mobile Radio) | podCast

Tagore war Würdenträger des Nobelpreises für Literatur und einziger Komponist zweiter Nationalhymnen, der von Indien („Jana Gana Mana“) und von Bangladesh („Amar Shonar Bangla“). Tagore wurde als erster Nicht-Europäer für sein Werk „Gitanjali“ mit Publikation im Jahre 1912 und 1913 in New York und London mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Gitanjali – in der Übersetzung „Ein Angebot an Liedern“ (Song Offerings) ist eine Sammlung von 103 englischen Gedichten. Ein Grossteil der Gedichte wurden von Rabindranath Tagore selbst übersetzt. Die frühe Ausgabe in bengalischer Sprache stammt aus dem Jahre 1910 (Git = Song + Anjoli = Offering).

Gitanjali, Vers 100:

Ever in my life have I sought thee with my songs. It was they who led me from door to door, and with them have I felt about me, searching and touching my world.

It was my songs that taught me all the lessons I ever learnt; they showed me secret paths, they brought before my sight many a star on the horizon of my heart.

They guided me all the day long to the mysteries of the country of pleasure and pain, and, at last, to what palace gate have they brought me in the evening at the end of my journey?

(PDF-Download | Source)

Die von Tagore begründete Universität Visva Bharati („Gemeinschaft der Welt mit Indien – Community of World with India) beherbergt eine Vielzahl von Instituten, u.a. das Sangit Bhavana (Institute of Dance, Drama and Music). Der erste Leiter war Dinendranath Tagore. Er lebte von 1882 bis 1935. Dinendranath  war der Neffe von Rabindranat Tagore – ein talentierter und herausragender Sänger in Baritonlage, der sich als künstlerischer Leiter von Rabindranath’s Theaterstücken und als Direkter der dramaturgischen Abteilung der Visva-Bharati Universität auszeichnete. Ihm sind mit Kenntnis der westlichen Notation die Niederschriften einer Vielzahl der Melodien von Rabindranath’s Kompositionen zu verdanken.

Die Abteilung „Musik“ (Music Board) der Visva-Bharati Universität, wurde drei Jahre nach dem Ableben von Tagore im Jahre 1944 errichtet. Heute ist sie mit der Ausrichtung von Tagore Festivals und mit Unterrichtsangeboten im Rabindra Sangeet in Kolkatta befasst.

Gandhi-TagoreTagore’s Erbe wird in Indien in Form von Tagore Festivals gefeiert, der alljährlichen Zeremonie von Kapipranam, Tagore’s Geburtstag am 07. Mai. Wallfahrten von Kolkatta nach Shantiniketan und feierliche Liederabende zu festlichen Anlässen sind in der bengalischen Kultur tief verwurzelt. Auch im Ausland wird der Geburtstag von Tagore gefeiert, mit dem jährlichen Tagore-Festival in Urbana (US-Bundesstaat Illinois). Dieses Festival konnte im Jahre 2008 sein 20-Jähriges Jubiläum feiern.

Mit dem Gedicht „Prosno“ in Bangla, der Muttersprache Tagores existiert eine der wenigen noch existierenden Aufnahmen. Sie ist nicht näher datiert. Tagore’s Stimme vermittelt uns die Klangästhetik und Metrik seiner Dichtkunst auf’s Trefflichste.

Teil 2: 150 Jahre Rabindranath Tagore – Pankaj Mullick, Rabindra Sangeet und der indische Film

Auf dem südindischen Subkontinent feiert man alljährlich den Geburtstag von Rabindranath Tagore: “Kabi Pranam – A tribute to Tagore“. Am 7. Mai erinnert man sich an eines der letzten Universalgenies des 20. Jahrhunderts. R. Tagore (1861-1941) war Dichter, Schriftsteller, Musiker, Maler, Verfasser von Tanzdramen, Verleger und Sozialreformer.

Uruguay Stamps - 150th Tagore Anniversary

Uruguay Stamps – 150th Tagore Anniversary

In 2011 feierte Bangladesh und Indien, besonders in West-Bengalen im großen Stile den 150sten Geburtstag von Tagore. Über ein ganzes Jahr wurde mit unzähligen Veranstaltungen an öffentlichen Plätzen, in Theatern, an Schulen aber auch in Buchläden unter den literarischen Freunden der Tagore-Werke erinnert.

Aus gegebenem Anlass des 150jährigen Jubiläums hat die Regierung in SriLanka und Uruguay den ersten indischen Nobelpreisträger für Literatur in Form eine Sonderbriefmarke gewürdigt. Tagore hatte Sri Lanka in den Jahren 1922, 1928 und 1934 besucht.

   
from left to right: Tagore as painter, Argentina Edition, Tagore’s PlayPost Office
(Source: All the stamps on this website with courtesy to Kumar Kamaleshan Nair (Trivandrum) – www.collectindianstamps.com )

Die Feierlichkeiten zum 150sten Geburtstag, die seit dem 7. Mai stattfinden, zeigen einmal mehr, dass der Geist von Tagore über alle Generationen hinweg, durch alle Bevölkerungsschichten hindurch lebendig ist. Der Daily Star, die auflagenstärkste, englischsprachige Tageszeitung in Bangladesh beschreibt Tagore zum 150sten Geburtstag treffend als einen “Internationalisten durch und durch“.

Sendetermin…
15. September 2014 – 23:00-23:58 Uhr CET (5:00-5:58 pm EST) @ TIDE Radio (DE)
(Premiere: 16.05.2013 – 23:00 Uhr @ Tide Radio)
broadcasting plan | streaming (Internet Radio & Mobile Radio) | podCast

In der Sendung “Rabindra Sangeet – eine Stimme für Alle!” haben wir Rabindranath Tagore bereits vorgestellt. Der Rabindra Sangeet ist ein Genre, das sich im 20. Jahrhundert etabliert hat.
Es ist ein musikalisch-literarisches Konzept, das von Rabindranath Tagore selbst begründet wurde. Seine Gedichte und Lieder hat Tagore in die indisch-klassische Musik eingebettet, gleichermassen in die nordindische (Hindustani) wie die südindische Klassik (Carnatic).

Pankaj Kumar Mullick war als Sänger, Schauspieler (Debut in Mukti, 1937), Komponist (als Musikdirektor, Dirigent/Arrangeur), Radiomacher und Filmproduzent  Indiens führender Interpret des Rabindra Sangeet.
Pankaj Mullick’s Interesse für den Rabindra Sangeet kam durch den Kontakt mit der Tagore-Familie zustande, zunächst durch die Begegnung mit Dinendranath Tagore, einem Großneffen von Tagore, Komponist und Musikarrangeur.
Als Rabindranath Tagore Pankaj Mullick’s Gesang erstmals zu Gehör bekam, so wird berichtet, umarmte Tagore ihn spontan und erlaubte Mullick, all seine Schriftwerke zu vertonen, die von Tagore selbst zu Lebzeiten nicht bewältigt werden sollten. Dies gewährte Tagore, der sich selbstbewusst als der bedeutendste Dichter Indiens verstand, keinem anderen. Mullick war auch der erste, der die Tabla, ein Percusssioninstrument der nordindischen Klassik, als Begleitinstrument für Tagore-Songs hinzunahm.

Rabindranth Tagore war 44 Jahre alt, als Pankaj Mullick am 10. Mai 1905 in Calcutta ein Junge das Licht der Welt erblickte. Er sollte in die Geschichte als berühmter Sänger, Schauspieler, unabhängiger Musikdirektor und Filmemacher eingehen. Pankaj Mullick lebte bis 1978 in Calcutta. Anders als viele seiner Kollegen zog es Mullick nicht nach Mumbai, Indiens Filmhauptstadt. Nur wenige Aufträge übernahm er für Mumbai-Produktionen, wie Zalzala im Jahre 1952, eine Verfilmung von Tagore’s Novelle Char Adhaya and Kastoori  unter der Leitung des Filmdirektors Gyan Mukherjee.
Pankaj Mullick war ein Pionier des indischen Films. Er führte zusammen mit dem Filmregisseur Nitin Bose (Dhhop Chhaon, 1935) den Playbackgesang ein, wie wir ihn noch heute in den Bollywood-Blockbustern kennen.

Wie zu jener Zeit für Filmschaffende und Playbacksänger üblich, wurde auch Pankaj Mullick umfassend in der indisch-klassischen Musik ausgebildet, im Dhrupad, dem ältesten Gesangsstil der nordindischen Klassik, oder im modernen Gesangstil, dem Khayal. Sein musikalisches Interesse erbte er von seinem Vater, der ein großes Interesse für die traditionellen Formen der Bengalischen Musik besass.

Bis ins hohe Alter war Mullick als Musikdirektor aktiv. Sein letzter Film war Janhabi Jamunia Bigolito Karuna im Jahre 1972. Ein Jahr später, wurde Pankaj Mullick im Alter von 68 Jahren von der indischen Regierung für sein Lebenswerk und seine Verdienste um das indische Kino ausgezeichnet. Mullick erhielt den bedeutendsten indischen Filmpreis, den Dadasaheb Phalke Award.

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