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CH – Raga CDs des Monats (06-07/2014): Frauen in der indisch klassischen Musik – Vokalistinnen, Blas- u. Seiteninstrumente (Teil 2/2)

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on July 13, 2014

Im 19./20. Jahrhundert hat die indisch klassische Musik, im Besonderen die nordindische Klassik (Hindustani) einen spürbaren Wandel erfahren. War sie als höfische Kunst der Arbeitsplatz der Kurtisanen (s.g. Tawaifs), hat sich die indische Klassik zu einer anerkannten Kunstform entwickelt, die von jungen Mädchen und Frauen aus angesehenen Familien erlernt und als Beruf ausgeübt wird.

Die Hindustani-Musik stand im frühen indischen Mittelalter besonders unter persischen Einfluss. Im 16. Jahrhundert versprach eine Patronage am Hofe der Großmogule den Kunstschaffenden und Artisten Wohlstand. Viele junge Mädchen wurden in den darstellenden Künsten ausgebildet. Dazu gehörten der Kathak-Tanz und die indische Klassik, die Literatur mit Poesieformen wie den Ghazals und Thumris.

Die Thumri-Form ist ein Genre der leichten Klassik, häufig zum Hori-Fest, dem Frühlingsfest der Farben gesungen. Ursprünglich wurden die Thumri-s mit viel emotionalem Ausdruck durch Gestiken und Gesichtsmimiken – Abhinaya – ausgedrückt. In der weiteren Entwicklung verschwand diese Darstellungsform, die dem indischen Tanz vorbehalten blieb. Die Sängerinnen wichen dafür auf rein stimmliche Improvisationsformen ohne Lyrik aus, die sogenannten Bol-Banav-Ki Thumris.

Am 29. August 2009 wurde der Dokumentarfilm „Rasoolan Bai – Das andere Lied“ (original: The other Song) im Bangalore International Centre (Bangalore) der Öffentlichkeit vorgestellt. Rasoolan Bai (1902-1974) aus Varanasi bildete zusammen mit Begum Akthar (1914-1974), Badi Moti Bai von Benares und Siddheswari Devi (1907-1976) das Quartett der Gesangsköniginnen.

Von dem Rebell Gangubai Hangal (Gaanewali) wurden die geschlechterspezifischen Barrieren in der nordindischen Klassik durchbrochen. Gangubai wird auch als der „Vater des Khayals“ bezeichnet, dem modernen Gesangsstil der Hindustani-Musik. Als die Sängerin Gangubai Hangal, im Alter von 97 Jahren, im Juli 2009 nach langer Krankheit verstarb, wurden Stimmen laut, die bekundeten, dass die Ära der Frauenpower in der indisch klassischen Musik zu Ende sei.

Rasoolan
Bai
Begum
Akthar
Badi
Moti Bai
Siddheswari
Devi
Gangubai
Hangal
Hangal with young daughter Krishna in the 1930s

.

Nach unserem westlichen Verständnis existiert auch ein verklärtes Frauenbild des ewig weiblich Göttlichen: Schon in der epischen Zeit gab es keine religiöse Handlung ohne Beteiligung der Frauen. Mit den Ashtanayikas, den acht Heroinnen zeigt sich ein Frauenbild, das wir noch heute in Indien antreffen.

In der südindischen Klassik (Carnatic) war die Ausübung der Kunst besonders den Mitgliedern der Brahmanen, eine Art Priesterschaft vorbehalten. Frauen hatten es schwer, auf die Bühne zu gelangen und sich mit ihrer Musik öffentlich zu zeigen. In den Anfängen der Phonoindustrie fanden Frauen für Schallplattenaufnahmen kaum männliche Begleiter.

Unter dem Einfluss der hinduistischen Mythen trifft man in Indian auf die Meinung, dass sich das Dreigestirn der Göttinen, Durga, Lakshmi und Saraswati den Menschen als Avatare in Gestalt der Gesangsvirtuosinnen DK Pattammal (1919-2009), MS Subbalakshmi (1916-2004) und ML Vasanthakumari (1928 – 1990) offenbarte.
Ihre Ankunft beendete die männliche Dominanz in der südindischen Klassik. Es begann eine Ära des Göttliche, der Kreativität und Innovation innerhalb der Grenzen traditioneller Werte.

Es waren Künstlerinnen, die ganz in der Musik aufgingen, nicht des Erfolges, noch des Ruhmes oder des Geldes wegen. Diese Frauen waren MeisterInnen des MultiTaskings, erfüllten vielerlei Aufgaben in unterschiedlichsten Rollen, als Mütter, Ehefrauen, Geschwister, Lehrer oder Grossmütter.

D.K. Pattammal
M.S. Subbalakshmi
M.L. Vasanthakumari

Während heute viele Künstler unterschiedlichste Identitäten gleichzeitig zu leben scheinen, waren Pattammal, Subbalakshmi und Vasanthakumari von einer einzigen Identität geleitet.

Die für Asien typische Präsenz und Funktion einer selbstlosen, göttlichen Liebe (Bhakti) war für diese Meisterinnen des Gesangs ihre Antriebskraft, um beständig auch grösste gesellschaftliche Widerstände bis zu ihrer künstlerischen Anerkennung zu überwinden.

Sendetermine…

Teil 1: 23. Juni 2014 – 22:00-22:58 Uhr (04:00-04:58 pm EST) @ Radio RaSA (CH)
(Premiere: 16. November 2009 @ Tide Radio)

Teil 2: 14. Juli 2014 – 22:00-22:58 Uhr (04:00-04:58 pm EST) @ Radio RaSA (CH)
(Premiere (2-Stunden): 16. Sept 2012 @ radio multicult.fm)
broadcasting plan | streaming (Internet Radio & Mobile Radio) | podCast

Rasoolan Bai

Rasoolan Bai (Photo credit: Wikipedia)

In Teil 1 unserer Serie „Frauen in der indisch-klassischen Musik“ haben wir die Gesangsköniginnen Indiens kennengelernt, wie die Sängerin Rasolan Bai aus Varanasi (geb. 1902). Ihr Leben rückte mit dem Dokumentarfilm „Rasoolan Bai – The other song“ im Jahre 2009 wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, und damit auch das der Tawaifs, der Kurtisanen. Sie übten die Künste an den Höfen der Maharajas bis in die 60er Jahre aus. Schon im 16. Jahrhundert wurden am Hofe der Moghuls, Herrscher aus Persien, die im 14. bis 16. Jahrhundert den Norden Indiens besetzten, Mädchen in den darstellenden Künsten ausgebildet, wie im Kathak, dem nordindischen Tanz, in der indischen Klassik oder Literatur und in Poesieformen, wie den Ghazals und Thumri-s.

Den ersten Teil von „Frauen in der indischen Klassik“ können Sie in unserem Medienarchiv nachhören und nachlesen (Moderationsskript im 1:1 reprint).

English: Gangubai Hangal (1913-2009) and daugh...

English: Gangubai Hangal (1913-2009) and daughter Krishna (c. 1929-2004) (Photo credit: Wikipedia)

Im Süden Indiens dagegen war die Ausübung der Künste den Mitgliedern der Brahmanen, eine Priesterkaste vorbehalten. Die Frauen hatten es schwer, mit Künsten in der Öffentlichkeit aufzutreten. Eine der ersten selbstständigen Künstlerinnen in Südindien war Bangalore Nagaratnammal (1878-1952). Für ihre Veröffentlichung von erotischer Literatur der Kurtisane Muddu Palani stand Nagaratnammal 1911 vor dem indischen Gerichtshof.

In unsere jüngste Zeit haben großartige Sängerinnen wie Dr. Gangubai Hangal (1912-2009) die geschlechterspezifischen Barrieren durchbrochen und Frauen den Zugang für eine Erwerbstätigkeit in der indischen Musik geebnet.

Doch noch immer ist das Frauenbild verklärt. So wurden herausragende Sängerinnen wie DK Pattammal, MS Subbalakshmi und ML Vasanthakumari als Avatare, als das Dreigestirn der Göttinnen Durga, Lakshmi und Saraswati gesehen. Diese Ära des Göttlichen verhalf zumindest, die männliche Dominanz in der südindischen Klassik zu durchbrechen.

Im zweiten Teil stellen wir Ihnen Musikerinnen auf Blas- und Saiteninstrumenten vor. Dazu gehören die Shehnai, das Saxophon, die indische Flöte (Bansuri) und indischen Lauten (s.g. Veena-s) wie die Sarod, Surbahar (Bass-Sitar) und Vichitra Veena.

 

v.l.n.r.: Bageshwari Qamar – Shehnai, Sikkil Mala Chandrasekhar – Bansuri,
MS Subbalaxmi & MS Lavanya – Saxophon-Duo (Photo credit: intoday.in, esishya.com, carnatica.net)

 

v.l.n.r.: Annapurna Devi – Surbahar, Sharan Rani Backliwal (1929-2008) – Sarod u. Dr. Radhika Umdekar Budhkar – Vichitra Veena
(Photo credit: Private collection of Mohan D. Nadkarni/Kamat’s Potpourri, TheHindu.com, indiatimes.com)

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