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DE – Raga CDs des Monats… (02/2013): Moorchana-s… Die Matrix der Seele durch Musik.

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on February 20, 2013

Moorchana-s
– Die Matrix der Seele durch Musik.

In der nordindischen und südindischen Klassik gehen die Ragas und Ragams auf die älteste musikalische Abhandlung des Weisen Matanga Muni zurück. Er ist der Verfasser des Brihaddeshi. Matanga lebte vor 2000 Jahren. Von ihm wurden die Moorchana-s (o. Mūrcchanā-s) bereits beschrieben.

Matanga Muni führte in der musikalischen Tradition – Ghandarva – den Begriff Moorchanas ein, in Bezug auf eine frühere Vorform der Ragas, den Jati-s (Jati-Gaan).

“Moorchana” leitet sich aus dem Wortstamm “Moorcha“, ab. Im Sanskrit bedeutet dies: “die Unbewusstheit” (unconsiousness)…

Die Moorchana-s übernehmen eine wichtige Funktion in der Gestaltung von Ragakompositionen. Mit ihnen kann jede der sieben (7) Hauptstufen einer Ragaskale in den Grundton “Sa” verwandelt werden, von dem aus neue Ragas mit den gleichen Intervallabständen des ursprünglichen Ragas entwickelt werden. Dieser “modale Shift” – Shadja – bewirkt in der akkustischen Wahrnehmung eine Veränderung des emotionalen Ausdrucks des ursprünglichen Ragas. Diese Technik wird Moorchana Paddhati genannt.

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Neben dieser antiken Form des modalen Shiftens gibt es eine modernere Variante zur Ableitung der Skalen, dem fixiterten System des Grundtons (fixed Tonic method). Hier wird die erste Stufe Sa beibehalten und einzelne Intervallabstände verändert.

Eine Ragaform, die aus verschiedenen Moorchana-s hervorgeht, wird Moorchanakaraka Raga genannt.

Sendetermine…

21. Februar 2013 – 21:00 Uhr CET (03:00 pm EST) @ radio multicult.fm (DE)
(Premiere: 17. Februar 2009 (23:00) @ Tide Radio)
broadcasting plan | streaming (Internet Radio & Mobile Radio) | podCast

Im Äusseren sind die Moorchanas ein Spiegel der Welt. Der Grundton Sa erzählt ihre Geschichte, wie eine Mixtur von Farben, die von dieser einzelnen Note “Sa” erzählt wird.

Ein Raga ist die Ausdehnung und Kontraktion des Haupttons Sa, wie das Universum selbst erschaffen wurde, wie es sich ausdehnte und begrenzt ist. Das Geheimnis der Moorchanas ist, das Ende mit dem Anfang zu verknüpfen, in einem endlosen Kreislauf der Erneuerung. Dieser Punkt “Sam“, mit Neubeginn wieder “Sa”, ist das Ursprungswort für “Samadhi”, der Verschmelzung mit dem Göttlichen (Devi):

Moorchana sangeet ki papaharini devi hai.” (Hindi)

(Übersetzung: In der Musik sind die Moorchana-s das Göttliche, das von allen Sünden befreit; das Göttliche, das die Seele im Zustand der Sündenlosigkeit besucht.)

Mit Methoden der modularen Arithmetik können die Moorchanas und die sich daraus ableitenden Ragaskalen sehr einfach ermittelt werden. Auch für den Mathematiklaien steht eine 12x12er-Matrix – Moorchana Transform Matrix (MTM) zur Verfügung, mit der sich die Moorchanas eines Ragas sehr schnell berechnen lassen.
Moochana-s No. 1-14Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Moorchana-s mit mathematischen und computergestützten Modellen hilft uns im rationalen Sinne, die Komplexität der Moorchanas zu entzerren und das kompositorische, gestalterisches Potential für Ragaskalen zu begreifen.

Auf der Basis der 7 Hauptnoten (svara-s), dem melodischen Grundmaterial eines Ragas, werden die Moorchanas in 14 sequentielle Ordnungsmuster gefasst.

sadja-grama (1-7): Uttaramandra | 4 (sa) – 3 (ri) – 2 (ga) – 4 (ma) – 4 (pa) – 3 (dha) – 2 (ni)
Madhyama-grama (8-14): Sauviri | 4 (ma) – 3 (pa) – 4 (Dha) – 2 (ni) – 4 (sa) – 3 (ri) – 2 (ga)

Das System der Moorchana-s ist die umfassendste Quelle, neue Ragas zu entdecken. Der Begriff der Harmonie in der indischen Klassik versteht sich als eine Art Synphonie der Strasse, dem melodischen Terrain eines Ragas. Wie alle Strassen, führen sie in die Welt hinaus; man kann auf ihnen aber auch wieder zurückkehren. So bewegen wir uns mit Hilfe der Moorchanas durch eine Ragaskala, zyklisch in der aufsteigenden und absteigenden Form.

In ihrem ruhenden Zustand des Unbewussten verharren die Moorchana-s still, bis sie uns durch einen “reinen Geist” den Weg zu neuen Ragas und ihren Platz innerhalb der universellen Familie von Ragaskalen öffnen – ein ähnlicher Zustand, wie er sich uns durch Meditationspraxis offenbaren kann.

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