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Nürnberg: Klavierspielen hält jung…

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on January 14, 2012

Für Susanne Dawany ist jeder Schüler eine Kostbarkeit

NÜRNBERG – Susanne Dawany weiß es nach 30 Jahren als Musikpädagogin ganz genau: Klavierspielen ist keine Frage des Alters. Sie erlebt es stets erneut, dass dies auch ein ideales Mittel ist, um krankmachenden Stress abzubauen. Darüber hinaus hätten sich viele ältere Schüler bewusst dazu entschlossen, Klavier zu spielen, um auch geistig fit zu bleiben.

„Wissen Sie, ich bin jetzt 65, in Rente, und könnte mich vor den Fernseher setzen, aber ich mache einen Malkurs, lerne neue Tänze, und ich lerne Klavierspielen“, erzählte eine Frau Susanne Dawany. Sie trifft die rüstige Rentnerin immer noch, sie sei geistig voll präsent – nach nunmehr 15 Jahren – und spiele immer noch Klavier. Susanne Dawany verweist in diesem Zusammenhang auf den weltweit führenden Forscher, Prof. Pierluigi Nicotera, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen.

Nicotera empfiehlt ausdrücklich, ein Musikinstrument zu spielen. Wer in jüngeren Jahren keine Gelegenheit dazu hatte, sollte damit als Älterer anfangen. Nicotera: „Ein Instrument lernen, zum Beispiel Klavier, fördert enorm, dass Hirnzellen sich vernetzen.“ Der Experte räumt ein, dass dies im Alter viel mehr Engagement erfordere, aber genau das sei es, „was unser Gehirn braucht, denn dadurch werden neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen gebildet – und das zögert den geistigen Abbau hinaus“.

Susanne Dawany hat das alles in der Praxis vielfach erlebt. Sie berichtet von einer Frau, die nach 60 Jahren, im Alter von 69 Jahren, wieder mit dem Klavierspielen angefangen hatte. „Da war nichts mehr vorhanden, nicht einmal mehr die Noten, aber nach einem guten halben Jahr kam alles wieder“, gerät die Klavierlehrerin ins Schwärmen. Auch die Konzentrationsfähigkeit sei bei dieser Schülerin wieder voll da, „ich merkte bei ihr, der Kopf wird neu geordnet“. Dawany beobachtet bei vielen ihrer Schüler, wie mit dem Klavierspielen auch der Wille zunimmt. „Die kommen manchmal so unentschlossen zu mir und fragen verzagt, ,ja geht denn das überhaupt noch bei mir?‘“

Es geht auch bei diesen Menschen, nicht zuletzt deshalb, weil Susanne Dawany vor zehn Jahren eine ganz neue Methode entdeckte: Sie trennte das Notenlernen vom Klavier, indem sie jedem Ton (sieben gibt es) eine Farbe zuteilt. Die Schüler erhalten eine Tastatur, auf der jeweils Punkte mit den verschiedenen Farben drauf sind, „und dann können sie daheim auf diese Weise den richtigen Ton finden“. Das ist nach ihren Worten gleich ein ganz anderer Anfang. „Ich fördere erst immer das, was den Leuten leichtfällt, um sie so zusätzlich zu motivieren, und das verstärk ich, und dadurch gibt es Mut.“

Nicht nur Berufstätige bekämen nach einer schönen Klavierstunde den Kopf frei und gingen mit einem strahlenden Gesicht wieder raus. Auch bei Lebenskrisen seien solche Stunden gut. Die Leute lernten etwas Neues, kämen auf gute neue Gedanken und könnten gleichzeitig auch ihre Gefühle reingeben. Dawany: „An dem Instrument kann ich mit mir selber gut sein, ohne dass ich vor mir weglaufen muss.“ Gerade über die Improvisation am Instrument eröffneten sich neue Wege, um sich selbst zu erfahren, um sich emotional und seelisch auszudrücken, und um sich vollständig und heil zu erleben.

Sie habe auch hochbegabte junge Leute, die aber in der Schule häufig aneckten, „und dann merke ich nach einiger Zeit, wenn ich mit ihnen individuell arbeite, da geht etwas bei ihnen auf“. Mütter berichteten dann später: „Der Junge hat aufgemacht und sein verschlossenes Wesen verloren. Wenn man Susanne Dawany erlebt fällt es leicht, ihr zu glauben, wenn sie sagt: „Jeder Schüler ist für mich eine Kostbarkeit, und jeder hat Dinge, die leichtgehen und solche, die schwerfallen, so wie es bei mir selber auch der Fall ist.“ Sie habe es in den 30 Jahren als Klavierlehrerin gelernt, in sich hineinzuhören. Bei jedem Schüler sei es nämlich eine ganzheitliche Sache, „da ist immer auch Musiktherapie dabei“. Bei den Unterrichtsstunden gingen die Leute wieder mehr in die Gegenwart rein und lösten sich damit von vielen Altlasten des Alltags.

Susanne Dawany sieht sich längst nicht mehr nur als Klavierlehrerin, sondern auch als Therapeutin. Sie erzählt von dem 21-jährigen Phillip mit Downsyndrom, der bei ihr mit null angefangen habe. Phillip arbeitet in der Behindertenwerkstatt und seine Mutter rief Susanne Dawany an und fragte: „Wollen Sie das mal probieren?“

Sie wollte und erlebte nach einigen Wochen einen Phillip, der sich am Klavier zum „Improvisationsgenie“ entwickelte. „Er improvisiert wie ein Alter, mit beiden Händen, und es kommen immer wieder neue Elemente rein – Filmmusik könnte man da machen“, Dawany ist begeistert. Phillip sitze dann am Flügel, sie am Klavier, und dann nähmen sie die Musik auf – neun Kassetten seien bereits voll. Jetzt strahlt die unerschütterliche Optimistin Susanne Dawany und sagt: „Er kommt so gerne her, und ich freue mich auf die Stunden.“

Susanne Dawany, Untere Wörthstraße 10, 0911/241744, E-Mail: erana9@yahoo.de

(Quelle: 14.01.2012 12:50 Uhr – Nürnberger Zeitung | Nürnberg & Region)

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