IMC – India meets Classic presents …

… a radio show for Indian (Music) Culture

Archive for the ‘DE (German)’ Category

Raga CDs des Monats (10/09): Jugalbandi – Das Duett in der indischen Klassik.

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on October 12, 2009

Die indisch klassische Musik wird seit Jahrhunderten in Form des uns im Westen bekannten Kammerspiel-Ensembles präsentiert.

Im Jugalbandi gibt es wenigstens zwei Solisten, die gleichberechtigt nebeneinander spielen. Man kann nicht zwischen einem Begleitinstrument und einem Hauptakteur unterscheiden. Es ist wie die Begegnung zweier Fremder, die miteinander synergetisch in einen Dialog treten. Werden diese von zwei Rhythmikspielern begleitet, z.B. auf der Tabla und Pakhawaj, spricht man von einem „Double Jugalbandi“.

S e n d e t e r m i n e …
19. Oktober 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
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Der Begriff „Jugalbandi“ (o. Jugalbhandi) bedeutet im Wortsinne etwa „in einander verschlungene Zwillinge“ (twins tied together / to tie a pair). Im Dhrupad wie auch in anderen Genres des Musikschaffens, findet sich das Wort ‚yugul“ wieder. Es bedeutet „Paar“.

Jugal (S) = Paar + bandi (A) = verbinden

Die Einführung des Jugalbandi kann nicht genau datiert werden. Während der Khayal, ein moderner und eleganter Gesangsstil der nordindischen  Klassik als Soloform – Ekala – meist einem einzelnen Sänger vorbehalten bleibt, kennt man das Gesangsduett (s.g. Jugal-Gaan) bereits im ältesten Stile der nordindischen Klassik, dem Dhrupad. Die Entstehung des Dhrupad kann auf etwa 100 n. Chr. datiert werden.

Bombay Sisters

Ravi Shankar & Ali Akbar Kahn

Wadali Brothers

Senior Dagar Brothers

Bombay-Sisters-1

Ravi-Shankar-and-Ali-Akbar-Khan-1

Wadali-Brothers-1

Senior-Dagar-Brothers-1

Sikkil-Sisters-1

Vilayat-and-Shujaat-Khan-2

Rajan-and-Sajan-Mishra Nathamuni-Brothers-with-brassband-2

Sikkil Sisters

Vilayat & Shujaat Khan

Rajan & Sajan Mishra

Nathamuni Brothers

Hinweis: IMC OnAir’s Sendung „Jugalbandi – das Duett in der indischen Klassik“ grenzt sich inhaltlich zu dem gleichlautend kompositorischen Begriff ab. Der indische Musikwisschenschaftler Vishnu Narayan Bhatkhande verfasste Jugalbandi-Kompositionen. Bhatkhande lebte bis 1936 (10. Aug. 1860 – 19. Sept. 1936); auf ihn geht das Klassifizierungschema der nordindischen Ragas zurück, das s.g. Thaat-System. In seinen Jugalbandi-Kompositionen griff Bhatkhande eine traditionelle Ragaform auf und stellte ihr eine moderne Abwandlung gegenüber. Durch diesen Kontrast kristallisiert sich für das Publikum die traditionelle Ragamelodik (redaktionelle Anmerkung: „inhaltsbeschreibend“ im Gegensatz zur Melodie als „formbeschreibend“) deutlich hörbar heraus.

Jugalbandi mit Ragamala-Malerei (miniature painting)…

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Raga CDs des Monats (08-09/09): Alankaras – 10 Typen der Ragaornamentik (Teil 1 u. 2)

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on September 14, 2009

IMC OnAir’s monatliche Sendung im August u. September befassen sich mit den zehn wesentlichen Alankars. Sie können in ihrem Charakter in vier Haupttypen (m. 10 Charakteren) gruppiert werden.

Der indische Begriff Alankar oder Alankara stammt aus dem Sanskrit, der alten Wisschenschaftssprache Indiens. Die  Bedeutung ist vielfältig: Schmuck (jewelry), literarische Ausschmückung oder Dekoration. Als Sabda-Alankara wird die Ornamentierung durch Klang, der dekorative Gebrauch von Klang oder von schmückenden Wörtern bezeichnet. Die letzte vor ca. 100-150 Jahren geordnete Klassifizierung in der indischen Klassik war auch als Shabdalankar bekannt.

S e n d e t e r m i n e …
Teil 117. August 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
Teil 221. September 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
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Im Vergleich zu der früheren Klassifizierung Shabdalankar, in der die indischen Musikschulen, die Gharana-s erhebliche Unterschiede aufwiesen, reduziert sich die in unserer heutigen Zeit gebräuchliche Clusterung (10 Charaktere) auf die Behandlung der Noten, der swara-s. Es sind:

1. Asthai Alankar – die Rückkehr zur Anfangsnote,
2. Arohi Alankar – eine Notensequenz in der aufsteigenden Skala,
3. Amrohi Alankar – eine Notensequenz in der absteigenden Skala und
4. Sanchari Alankar als eine Kombination der Typen 1-3.

In der barocken Zeit der westlichen Klassik diente die Ornamentik zur Ausschmückung der Melodielinien. Der Gesangsinterpret improvisierte mit der Ornamentierung, wie wir es noch heute in der irischen Musiktradition wiederfinden. Die indischen Noten sind “nicht statisch”; kürzer gespielte Staccato-Noten (im Italienischen bedeutet staccare “abreißen”) oder einzelne für sich gespielte Noten sind nicht hörbar.

4 examples of Alankara-s (Source: Sitar Technique in Nibaddh Forms (written by Stephen Slawek, 1987))

4 examples of Alankara-s (Source: Sitar Technique in Nibaddh Forms (written by Stephen Slawek, 1987))

Die Swara-s stehen in ständiger Verbindung zueinander. Jede Note ist verknüpft mit der Vorherigen und Nachfolgenden. Solche Vorschlagsnoten (“grace notes“) – Kan-Swara-s – sind die Grundlage für jede Form der Ornamentik, den Alankara-s. Die Alankara-s sind der Kern für die Entfaltung und Schönheit eines Ragas.

Der früheste Bezug zu diesem Begriff findet sich mit 33 Alankars in dem Natyashastra, ein Grundlagenwerk des Weisen “Bharata” zu den darstellenden Künsten des antiken Indiens. Die Schrift wird zwischen 200 vor Christus und etwas 100 nach Christi Geburt datiert. Weitere bedeutende Abhandlungen zur Klassifizierung der Alankars sind das Sangeet Ratnakar von Sharangdev im 13. Jahrhundert und das Sangeet Parijat von Ahobal im 17. Jahrhundert, in denen 63 bzw. 68 Typen von Alankars beschrieben werden.

Alankars Technique for the Sitar (video tutorial @ eHow)
by Amelia Maciszewski (Ph.D. in Ethnomusicology) – www.sangeetmillennium.org.com

Alankars Technique for the Sitar: How to Play the Sitar...

Kan-Sawra-s in a Classic Raag Bhairavi
by violinist Milind Raikarwww.violinmilind.com

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Raga CDs des Monats (07/09): Tradition & Moderne – Eine Hommage an Ali Akbar Khan.

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on July 13, 2009

Ali Akbar Khan (1922-2009)

(1922 - 2009)

Eine Hommage an Ali Akbar Khan“ – diese Sendung erweist einer „Legende“ auf der Sarode die Ehre, dem Johann Sebastian Bach der nordindischen Klassik, oder einfach nur Khansahib, wie man Ali Akbar Khan in Indien liebevoll nannte.

Ali Akbar Khan verstarb am Morgen des 18. Juni 2009, 87-jährig im Kreise seiner Familie, zuhause in San Anselmo, Kalifornien. Ali Akbar Khan war seit 2004 Dialysepatient. 2006 besuchte er zum letzten Male Indien für einen Auftritt beim Dover Lane Music Festival (Music Conference) in Kolkata…

Tribute (Auszug) von Ustad Zakir Hussain (Tabla Maestro) am Tag der Beerdigung (21. Juni - Mt. Tamalpais Cemetary (2500 5th Ave, San Rafael, CA 94901) )

(Quelle: Kamla Bhatt @ Youtube, 26. Juni 2009)

Neben jährlichen Weltourneen und als Filmkomponist wirkte er mehr als 4 Jahrzehnte besonders als herausragender Musikpädagoge – in dem von ihm gegründeten Ali Akbar College of Music (AACM).

Sendetermin: 20. Juli 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: )
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Khansahib war eine Ausnahmeerscheinung am Firmament der indischen Musik. Er verstand die Musik als eine universelle Sprache. Ein musikalischer Klang berührt jedermann’s Herzen und Geist, Musik als Nahrung der Seele.

Die indischen Ragas verstand Ali Akbar Khan als einen Zustand der zeitlosen Ewigkeit, in die das Leben mit seinen kurzen Momenten eingebettet ist. In einem Interview mit Gautam Chatterjee der indischen Tageszeitung The Hindu, in der Ausgabe vom 17. Februar 2006 beschreibt Khansahib dies wie folgt:

„Die Glückseligkeit, die Freude eines Ragas erfährt man, wenn man dafür stirbt. Der Tod ist die Voraussetzung für dieses Glück. Für einen Raga leben wir, und wir sterben dafür. Das ist das ganze Geheimnis, um das es in der Lehrer-Schüler-Beziehung, Guru-Shishya-Parampara geht.

Die musikalische, die emotionale Wirkung eines Ragas entsteht aus dem Verständnis für den zeitlichen Zwischenraum – zwischen den Noten. Auf einer Note für einen Moment zu verharren, ist, als würde man tief einatmen, um zu verstehen, dass die Pause zwischen den nächsten zwei Noten dem Ein- und Ausatmen gilt. Von einer Note zur nächsten zu wandern, ist schwierig genug, aber dies mit einer Pause, einer Unterbrechung zu gestalten, ist nahezu unmöglich. Es mag nur gelingen, wenn man sich dieser Aufgabe ein ganzes Leben lang hingibt.“

Wie steht es um das unschätzbare Vermächtnis von Ali Akbar Khan ? – Khansahib hinterlässt nach drei Ehen sieben Söhne und 4 Töchter. Sein ältester Sohn Aaashish Khan ist ein renommierter Sarod-Spieler, zwei weitere Söhne, Alam und Malik spielen gleichfalls das Instrument ihres Vater. Die Familie Khan fühlen sich der Aufgabe verpflichtet, das Ali Akbar College for Music und die Ali Akbar Khan Bibliothek weiterzuführen.

Ali Akbar Khan hinterlässt uns einen unermesslichen Fundus an Audiodokumenten. Seit 2007 werden mit Fördermitteln mehr als 1000 Konzerte mit 1500 Stunden Spielzeit und ca. 6000 dokumentierte Unterrichtsstunden für den Aufbau einer digitalen Bibliothek aufbereitet. Bis heute sind davon ca. 2000 Stunden Audiomaterial archiviert.

IMC OnAir stellt Ihnen als Hörbeispiele  die Ragas Chandranandan, Darbari Kanra, Gauri Manjari, Medhavi, Manj Khammaj, Sindhi Bhairavi und Jogiya Kalengra vor.

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Raga CDs des Monats (06/09): Ragas, Ghazals und Goethe…

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on June 8, 2009

Das Wort Ghazel stammt in seinem Ursprung aus dem Arabisch-Perischen, Gazal. Im Türkischen treffen wir auf diese Poesieform als Gazel.

Neben dem Parsi, dem Persischen, in der Sprache der Paschtunen, in Hindi und Urdu, das in Pakistan gesprochen wird, haben sich Ghazals in vielen weiteren Sprachen als Ausdrucks- und Versform der Poesie etablieren können. Weit über Indien, Pakistan und Afghanistan hinaus bis in den anglo-amerikanischen, hebräischen und deutschen Sprachraum hinein erfuhren und erfahren sie ein grosses Interesse; im Spanischen experimentierte Federico Garcia Lorca mit der Ghazal-Form.

Der traditionelle Ghazal hat in einem melancholischen Ausdruck die Liebe, das Leben und methaphysische Fragen zum literarischen Gegenstand. Seine Wurzeln reichen bis in die arabische Welt des 6ten, 7ten Jahrhunderts zurück.

In der Literatur wird mit Ghazel nicht selten eine Form der leichten Klassik innerhalb der indisch klassischen Musik definiert. Unsere Sendung wird zeigen, dass es sich mit dieser Strukturform der Poesie doch ein wenig anders verhält.

Sendetermin: 15. Juni 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: )
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Ihre Ausdrucksstärke gewinnen die Ghazals durch eine „unpersönliche Note“, in die der Leser respektive Zuhörer ganz nach seiner individuellen Befindlichkeit hineininterpretieren kann. Ghazals leben in ihrem emotionalen Ausdruck von einer Codierung, einer symbolhaften, indirekten Ansprache, und von dem Gegensätzlichen, wie beispielsweise dem Trennungsschmerz einer unerfüllten Liebe, in göttlicher Form, auf einer metaphysischen, universellen, spirituellen Ebene…

Die Filmindustrie Indiens und Pakistan hat wesentlich zu der Popularisierung der Ghazals beigetragen. Ihre Vielfältigkeit in dem Ausdruck der Liebe und emotionaler Gemütszustände, wie Zweisamkeit, Verlangen, Trennungsschmerz, Teilnahmslosigkeit auch in Form von Politikmüdigkeit oder Reue, die vorrangige Bedeutung des Wortes und die sanfte Natur der Ghazals fanden in Mumbai, der Bollywood-Metropole und in Lollywood, dem Pandong der Filmindustrie Pakistans eine Vielzahl von Interpreten.

Herausragende Ghazal-Komponisten – Indien & Pakistan (Urdu ghazals)…

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Ghalib

Hafiz o. Hafez
(1315-1390)

Muhammad Jalaluddin Rumi
(13th century)

Mirza Assadullah Khan Galib
(1797-1869)

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Daag Dehlvi
(1831-1905)

Muhammad Iqbal (1877-1938)

Faiz Amed Faiz
(1911-1984)

Mehdi Hassan
(1927)

Johann Wolfang von Goethe…

J.W. v. Goethe

J.W. v. Goethe

J. W. v. Goethe gilt als Begründer der „Weltliteratur“. Neben seinen Arbeiten für die Musik, Theologie und Wissenschaften zeigte er grosses Interesse für die persische und arabische Literatur.
Mit seinem nicht-fiktionalen in Aphorismen gefassten Schreibstil hatte Goethe mit Friedrich Schiller als führende Figuren des Weimarer Klassizismus massgeblichen Einfluss auf die deutsche Philosophie und weit über die europäischen Grenzen hinaus.

Goethe & Hafiz – „West-östlicher Divan“

Goethe schrieb das Sammelwerk “West-östlicher Diwan” als eines seiner späten Werke, zwischen Schillers Tod im Jahre 1805 bis zu seinem Ableben im März 1832.

Das Sammelwerk wurde wohl zwischen 1814 und 1819 geschrieben. Es ist im Jahre 1827 in einer erweiterten Auflage veröffentlicht worden. Der West-östliche Divan umfasst ganz im Sinne seiner ursprünglichen Wortbedeutung 12 Bücher (s. Gutenberg-Projekt).

Der „West-östliche Divan“ darf entsprechend seiner Zeit als ein Ausdruck eines interkulturellen Austausches, einer westlich-östlichen Annäherung zwischen Orient und Okzident verstanden werden. Im zweiten Buch, dem Buch Hafis (Hafis Namen) hatte Goethe konkret Bezug genommen auf den persischen Dichter und Ghazal Meister Hafiz.

Hafiz-Goethe-Denkmal (Weimar)

Hafiz-Goethe-Denkmal (Weimar)

Goethe selbst wurde von Hafiz (o. Hafez) für sein Interesse an Persischer Literatur massgeblich beeinflusst. Noch heute erinnert das Hafez-Goethe-Denkmal in Weimar an diese Beziehung.

Goethe hat für den West-östlichen Diwan im Mittleren Osten und Südasien grosse Anerkennung gefunden. Als Antwort auf Goethes Diwan veröffentlichte der pakistanische Nationaldichter Muhammad Iqbal 1924 sein Werk „Payam-e-Mashriq“ (The Message of the East).

Auch Weggefährten Goethes befassten sich in ähnlicher Weise mit orientalischen, arabischen oder südasiatischen Themen und bedienten sich des Ghazal für ihre Dichtkunst. Der deutsche Dichter J. M. Friedrich Rückert (16.05.1788-31.01.1866) war Übersetzer und Professor für orientalische Sprachen und schrieb 1839 das Werk „Brahmanische Erzählungen“ (Brahmin Stories). Es umfasst 6 Bände, in denen Rückert extensiv den Ghazal als Poesieform verwendete.
Der Dichter August von Platen (Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde – 24.10.1796-05.12.1835) veröffentlichte 1821 die “Ghaselen” und 1823 die „Neuen Ghaselen“.
Der Philosoph Georg Friedrich Daumer (5.3.1800 – 14.12.1875) glänzte mit seiner dichterischen Kunstfertigkeit in dem 1846 in Hamburg veröffentlichten Werk „Hafis“, eine freie Interpretation der Lieder berühmter persischer Dichter.

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Raga CDs des Monats (05/09): RAGAS & SAX… indische Saxophonisten

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on May 11, 2009

Aus der Reihe “Ragas auf westlichen Instrumenten” praesentiert die Foerderinitiative IMC – India meets Classic via IMC OnAir – IMCRadio.Net die Sendung Ragas & indische Saxophonisten (Erstsendung: 5. August 2008).

In den zurueckliegenden Sendungen wurden bereits zwei Instrumente des Westens ausfuehrlicher vorgestellt, die in der (sued-)indischen Klassik einen festen Platz gefunden haben: das Harmonium als Begleitinstrument und die Violine. Dieses Streichinstrument ist Bestandteil jeder Performance der suedindischen Klassik (Carnatic); als Solo-/ Hauptinstrument hat es sich besonders in der nordindischen Klassik (Hindustani) etablieren koennen.

Das Saxophon war urspruenglich fuer den Einsatz in Sinfonieorchestern gedacht. Es wurde von dem Belgier Adolphe Sax im Jahre 1840 erfunden und in Frankreich patentiert.

Sendetermin: 18. Mai 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: )
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Mit dem Aufkommen des Jazz begann der eigentliche Siegeszug dieses Instrumentes in seinen unterschiedlichsten Ausfuehrungen: als Alt-, Tenor-, Sopran-, Bariton- oder gar Bass-Saxophon. Mit der Aufnahme von afrikanischen, orientalischen und auch indischen Einfluessen kommt die spirituelle Haltung des Jazz-Avantgardisten John Coltrane’s in seinem Quartett zum Ausdruck.

IndoJazz-Double-Quintet-1968IndoJazz-Suite-Cover-1

IndoJazz, von dem indischen Komponisten John Mayer mit dem Quintett IndoJazzFusions in den 60er Jahren (20. Jahrhundert) begruendet, hatte massgeblich auf die Etablierung des Saxophons in Indien Einfluss.

v.l.n.r.: Dr. Kadri Gopalnath, Rudresh Mahanthappa, Prasant Radhakrishnan

Dr. Kadri Gopalnath.Rudresh Mahanthappa.Prasant Radhakrishnan

Besonders die Konzerte von Prasant Radhakrishnan in Indien mit Kompositionen im langsamen Tempo u. einer kontrollierten Ausfuehrung der Ornamentik indischer Ragas (s.g. Gamaka-s) haben dazu beigetragen, dass sich das Image des Saxophon als ein lautes u. schnelles Instrument, das bestenfalls dazu geeignet ist, technische UEbungen zu absolvieren, veraendert hat.

Die Verbindung zwischen Jazz und indischer Klassik, die Interpretation von Ragaskalen auf einem fuer den Jazz typischen Instrument, liegt in der modalen Struktur. Dazu der deutschen Musikjournalisten und -produzenten Joachim Ernst Berendt, international als Jazzpapst bekannt:

Das, was all diese Musiker spielen – die asiatischen wie die westlichen – unterscheidet sich von der traditionellen europaeischen Musik dadurch, dass es “modal” ist. Das heisst, es basiert nicht auf den staendig wechselnden Akkordgeriisten, die unserer abendlaendischen Musik unterliegen, sondern auf einer Skala, einer “mode” – letztendlich auf einem einzigen Akkord – will sagen: Es ist sehr viel ruhiger, sehr viel weniger “nervoes”…

[ Quelle: Buch "Die Welt ist Klang - Nada Brahma" (vollst.: Die Landschaft des Bewusstsein"), 1988 ]

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Unsere Hoerbeispiele: indischer Jazzmusiker Rudresh Mahanthappa (Sax), zusammen mit Dr. Kadri Gopalnath (Sax) im Dakshina Ensemble, Dr. Kadri Gopalnath & Pravin Godkhindi (Bansuri – indische Bambusfloete), Prasant Radhakrishnan (Sax), der indische Komponist John Mayer (Violine), John Coltrane (Sax), Charlie Mariano (Sax) & indische Saengerin / Komponisten R.A. Ramamani (Gruenderin von Jazz Yatra).

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Raga CDs des Monats (04/09): NAVAGRAHA – Ragas für 9 Planeten

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on April 19, 2009

Astrologie in Indien…

Die noch junge Republik Indien mit Verfassung am 26. Januar 1950 befindet sich seit nun mehr als 60 Jahren auf dem Weg in die Demokratie. Im modernen Indien spielt die Astrologie bis heute eine herausragende Rolle. Seit 1957 gibt es den von der indischen Regierung veröffentlichten Astrologischen Jahreskalender (National Panchanga).

Wie sich die traditionelle, ayurvedische Medizin in Indien erhalten hat, gibt es keine Geschäftstätigkeit, kein Umzug oder eine Heirat ohne den astrologischen Kalender… selbst in den indischen Wissenschaften findet sich die Astrologie wieder. Zu ihr wird auch die traditionelle indische Astronomie, Siddhanta gezählt.

In der Samhita, der Astrologie, die sich mit dem Schicksal Indiens, mit Kriegen, Erdbeben, politischen Ereignissen, Wirtschaftsfinanzen beschäftigt und mit Hora, dem Geburtshoroskop beziehen die Inder zu fast allen Ereignissen einen indischen Astrologen hinzu.

Sendetermin: 20. April 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: Wiederholungstermine ab Mai ‘09)
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NavaGraha Kriti-s…

Mit dem Werk “NavaGraha Kritis” des Komponisten Muthuswami Diskhitar werden insgesamt neun (9) der Planeten in der indischen Astrologie gepriesen, die wir Ihnen in dieser Sendung vorstellen. Dikshitar’s bevorzugte Kompositionsform war der Krithi, die Lyrik verfasste er in Sanskrit.

Den neun (9) Planeten der indischen Astrologie huldigte Dikshitar sieben (7) Krithis, für jeden Tag der Woche einen… und weitere zwei (2) wurden nach der Auffassung der Musikwissenschaftler von Bewunderern u. Nachfolgern Dikshitars vervollständigt.

Muthuswami Diskhitar lebte von 1775 bis 1835. Dikshitar war der Jüngste des Dreigestirns der südindischen Klassik, neben Tyagaraja und Syama Sastri.
Er wurde in Tiruvarur, im Bundeststatt Tamil Nadu geboren und entstammt einer Brahmanenfamilie. Diskhitar wurde nach der Tempelgottheit Muttukumaraswamy benannt. Dikshitar wuchs mit zwei jüngeren Brüdern und einer Schwester auf. Sein Bruder Baluswami Dikshitar führte die Violine in die südindische Klassik ein.

Diskhitar erhielt die musikalische Grundausbildung von seinem Vater Ramaswami. Bereits in seiner Jugendzeit wurde er von ihm auf die Wanderschaft geschickt , mit einem Mönch namens Chidamabaranatha Yogi. Dikshitar sollte seine Kenntnisse in der Musik und Philosophie erweitern. Von Chidamabaranatha erlernt Diskhitar das Spiel auf der Veena, eine der ältesten Lautenformen Indiens.
Der junge Muthuswami bereiste viele Regionen Indiens bis in den hohen Norden. Seine Eindrücke spiegelen sich in den Kompositionen mannigfaltig wieder.
Muthuswami Dikshitar verfasste als Einziger Kompositionen in allen Ragaformen der südindischen Klassik, ingesamt 72 Hauptragas im Melakarta-System, der karnatischen Musik. Nahezu 500 Lieder in 191 Ragaformen sind noch heute erhalten.

Um die Kompositionsarbeit von Muthuswami Dikshitar ranken sich viele Geschichten. So wird berichtet, dass er während eines Zustandes der Meditation von der Gottheit Subramanya, aufgefordert wurde, den Mund zu öffnen. Subramanya, Lehrer von Shiva, der höchsten Gottheit als der Erschaffer des Universums, legte ihm ein Zuckerstück in den Mund und verschwand. Als Muthuswami seinen Mund öffnete, hatte er eine Vision von Muruga, dem Gott des Krieges. Dazu verfasste er seine erste Komposition: “Shri Nathadi Guruguho” – in der Ragaform Mayamalavagowla.

Zu den Beweggründen Dikshitars für die Komposition der Navagraha Kriti-s gibt es eine Legende. Sie besagt, dass einer seiner Schüler, Tambiappan an einer Magenverstimmung litt. Auch eine medizinische Behandlung war erfolglos. Daraufhin betrachtete Diskhitar das Geburtshoroskop von Tambiappan. – Und stellte fest, dass sich der Planet Jupiter – bRihaspati – in einer ungünstigen Konstellation befand. Eine rituelle Lobpreisung der Gottheit bRihaspati war für Laien aber äusserst schwierig. So komponierte Dikshitar Brihaspate in der Ragaform Atana. – Und forderte seinen Schüler auf, die Strophen für eine Woche zu singen. Der kranke Tambiappan wurde geheilt.

Dieser Erfolg veranlasste Diskhitar, für sieben (7) Planeten Kriti-s zu schreiben, für jeden Tag der Woche. Diese Vara Kriti-s sind in den sieben (7) Grundrhythmiken der südindischen Klassik verfasst: “Suladi Sapta Tala”. Die Zählweise stellt eine Analogie zu den astrologischen Perioden für jeden Planeten dar. Bevorzugt wählte Diskhitar ein langsames Tempo.

Dikshitar verwendete für dieses Werk, das bis heute als “Navagraha Krithi-s” in Indien bekannt und beliebt ist, nur vollständige Ragas aus, sampoorna. In der auf- und absteigenden Skala finden sich alle sieben (7) Hauptnoten. Eine Ornamentierung, die Gamakas zeichnen sich durch Dikshitar’s eigene Signatur (Mudra) aus. Als Guruguha ist sie das Namenssynonym für die Gottheit Subramanya.

  • Sonne (Surya) – Kriti “Suryamurthe Namosthuthe” – Ragam Saurastram
  • Mond (Chandra) – Kriti “Chandram Bhaja Manasa” – Raga Asaveri
  • Mars (Angaraka) – Kriti “Angarakam Ashrayamyaham” – Raga Surati
  • Venus (Shukra) – Kriti “Sri Sukhra Bhagavantham” – Raga Pharaj
  • Jupiter (Brihaspathi) – Kriti “Brihaspathe Tarapathe” – Raga Athana
  • Saturn (Shani) – Kriti “Divakaratanujam Shanaishcharam” – Raga YadukulaKambhoji
  • Merkur (Budha) – Kriti “Budham Ashrayami” – Raga Nattakurahnji
  • 1. Schattenplanet (Rahu) – Kriti “Smaramayaham sadarahum” – Raga Ramamanohari
  • 2. Schattenplanet (Ketu) – Kriti “Mahasuram Ketumaham” – Ragam Camaram

.NavaGraha-part-1-2009.NavaGraha-part-2-2009.

Wikipedia: The British Museum – (von links nach rechts) Surya, Chandra, Mangala, Budha, Brihaspati, Shukra, Shani, Rahu, Ketu

Indische Astrologie…

Jyotisha ist das hinduistische System der Astrologie, die vedische Astrologie, die zeitgleich zur maurischen Periode bestand, in der erstmalig die Bewegung von Sonne und Mond aufgezeichnet wurden.

In den Veden wird die Verbindung – Bandhu – zwischen dem Mikrokosmos und universellen Makrokosmos hergestellt.

Die ältesten astrologischen Abhandlung sind im Sanskrit – im Yavanajataka (“Sayings of the Greeks”) dokumentiert, in einer Zeit enger Beziehungen zwischen der griechischen, hellenistischen und der indischen Kultur. Die indo-griechische Periode wird auf das 2. bis 3. Jahrhundert nach Christi-Geburt datiert.

Im 5. Jahrhundert leisteten in Indien Authoren mit astrologischen Studien einen bedeutenden Beitrag für die gesamte Entwicklung der Astronomie im frühen Mittelalter.

Erst 1961 und 1963 gab es zu späten Textwerken im 8. Jahrhundert, wie dem Saravali, englische Übersetzungen von N.N. Krishna Rau und V.B. Choudhari.
Veröffentlichungen im 20. Jahrhundert, wie “New Techniques of Predictions” mit dem System des Yoga-Punktes von H.R. Seshadri Iyer in den 60er Jahren wurden auch im Westen populär.

Die Planeten, Graha-s sind in ihrer Anzahl 9 rotierende Himmelskörper.

Die beiden Hauptplaneten, Sonne und Mond, werden um fünf (5) sichtbare Planeten, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn ergänzt, mit zwei (2) Schattenplaneten, dem abnehmenden und zunehmenden Mond. Rahu und Ketu werden als Kopf und Hinterteil eines Schlangendämons abgebildet.

  • Der Planet Sonne (Surya) ist der führende Planet, mit der Macht ausgestattet, alle Dunkelheit zu erhellen und die Sünden der Welt zu zerstören. Surya lenkt einen 7-spännigen Steitwagen.
  • Der Mond (Chandra) steht als zweiter Planet der Sonne – Surya am Nächsten. Er ist der Bruder der göttlichen Mutter Lakshmi. Chandra ist weiss wie der Herbstmond, besitzt vier Hände (chatur bhuja) und ist geschmückt mit Armbänder, Girlande und Krone. Chandra produziert Nektar und kann pflanzliche Medizin herstellen. Er ist der Erschaffer der Nacht… und Gott der Kalas, der sechzehn Mondphasen. Chandra kontrolliert den Verstand, er beruhigt den menschlichen Verstand.
  • Während die Venus (Shukra) in der indischen Astrologie das vollständige Wissen der Wahrheit und die Authorität für eine erfolgreiche Ehe verkörpert., ist Mars (Angaraka) der Sohn der Mutter Erde, die Gottheit des Dienstags. Mars erscheint in den Darstellungen rötlich, bewaffnet mit Schwert und Dreizack.
  • Jupiter (Brihaspathi) verkörpert die vier (4) Manifestationen der Rede. Er ist frei vom Altern und trägt einen Donnerblitz. Sein Vater ist Brahma, die Gottheit des Erschaffens.
  • Saturn (Shani) ist der Sohn von Surya, der Sonne, und Bruder der Gottheit Yama. Äusserst couragiert und furchtlos, lehrt er Menschen, die dem weltlichen Leben zu sehr zugeneigt sind, das Fürchten. Er ist von dunkler Gestalt, reitet eine Kuh und ist ganz in Blau gekleidet.
  • Merkur (Budha) zeichnet sich durch seine Intelligenz aus, mit der er süsse Poesie verfassen kann. Er ist immer voller Freude und von leuchtender Erscheinung, wie Saffran. Budha beschützt die Gläubigen von Lord Shiva.
  • Die Schlangendämonen Rahu und Ketu besitzen grosse Macht. Rahu trägt einen Harnisch, Schwert und Dreizack und befreit den Geist von der Furcht vor Schlangengift. Ketu trägt eine aussergewöhnlikche Krone und silbernes Gewand; er sitzt auf einem menschlichen Körper. Ketu ist der Freund der guten Menschen, die sich von den Guna Doshas, dem Guten und Bösen befreit haben.

Die indische Astrologie wird an vielen Universitäten Indiens gelehrt. Bis in die jüngste Zeit fand in Indien eine streitbare Auseinandersetzung unter den Vertretern der modernen Wissenschaften statt, darüber ob die Astrologie überhaupt als Wissenschaft anerkannt werden kann. Ein Urteil des höchsten Gerichtes im Jahre 2004 beendete diesen Streit: der Astrologie wurde die Qualifikation abgesprochen, Religionslehren zu verbreiten.

Tempel…

Die Graha-s, die neun (9) Planeten finden sich in berühmten Tempelanlagen Südindiens, im Bundesstaat Tamil-Nadu als Behausungen der Gottheiten wieder.

Für jeden der sieben (7) Planeten, die Sonne und den Mond, den Mars, Merkur, Jupiter, Saturn und die Venus und auch für die Schattenplaneten, die ab- und zunehmenden Mondhälften findet sich in der Nähe von Mayiladuthurai, Nagappattinam und Thanjavur ein Tempel.

Zu all diesen Tempeln pilgern eine Vielzahl von Hindus. Ein Tempelbesuch verspricht für alles Leben im Universum Glück für gute Taten, gleichermassen Unglück für schlechtes Tun und Handeln.

Diese Tempel sind im touristischen Angebot und können mit Tagesausflügen besichtigt werden.

Sonne: Suriyanar Koil
Mond: Thingalur
Merkur: Thiruvenkadu
Saturn: Thirunallar
Venus: Kanjanur
Jupiter: Alangudi
Mars: Vaideeswaran Koil
Rahu: Keezhperumpaalam
Ketu: Thirunageswaram

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Raga CDs des Monats (03/09): Rabindra Sangeet – Eine Stimme für Alle!

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on March 9, 2009

Rabindra Sangeet – Lieder von Tagore…

Als Rabindra Sangeet wird in Indien ein musikalisch-literarisches Konzept bezeichnet, das sich im 20. Jahrhundert als ein eigenständiges Genre etablierte. Darin ist die indisch klassische Musik eingebettet, gleichermassen die nordindische Klassik – Hindustani wie die Klassik Südindiens – die karnatische Musik.
Das Konzept wurde von dem indischen Universalgenie Rabindranath Tagore begründet. Im Englischen wird Rabindra Sangeet als „Tagore Songs“ – „Lieder von Tagore“ übersetzt.

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R. Tagore in Kolkata, c. 1915

Tagore’s Gesamtwerk umfasst aus einer etwa 60-jährigen Schaffenszeit bis zu seinem Tod im Jahre 1941 (7. Mai 1861 – 7. August 1941) mehr als 2200 Lieder, neben ca. 1000 Gedichten, zwei Dutzend Theaterstücken, Tanzdramen, acht Novellen, mehrere Ausgaben von Kurzgeschichten und vielfältige literarischen Werken mit sozialen, religiösen, politischen und erziehungswissenschaftlichen Essays und Beiträgen zu Filmwerken und als Maler.

Sendetermin: 16. März 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: )
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Tagore war Würdenträger des Nobelpreises für Literatur und einziger Komponist zweiter Nationalhymnen, der von Indien („Jana Gana Mana“) und von Bangladesh („Amar Shonar Bangla“). Tagore wurde als erster Nicht-Europäer für sein Werk „Gitanjali“ mit Publikation im Jahre 1912 und 1913 in New York und London mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Gitanjali – in der Übersetzung „Ein Angebot an Liedern“ (Song Offerings) ist eine Sammlung von 103 englischen Gedichten. Ein Grossteil der Gedichte wurden von Rabindranath Tagore selbst übersetzt. Die frühe Ausgabe in bengalischer Sprache stammt aus dem Jahre 1910 (Git = Song + Anjoli = Offering).

Gitanjali, Vers 100:

Ever in my life have I sought thee with my songs. It was they who led me from door to door, and with them have I felt about me, searching and touching my world.

It was my songs that taught me all the lessons I ever learnt; they showed me secret paths, they brought before my sight many a star on the horizon of my heart.

They guided me all the day long to the mysteries of the country of pleasure and pain, and, at last, to what palace gate have they brought me in the evening at the end of my journey?

(PDF-Download | Source)

Die von Tagore begründete Universität Visva Bharati („Gemeinschaft der Welt mit Indien – Community of World with India) beherbergt eine Vielzahl von Instituten, u.a. das Sangit Bhavana (Institute of Dance, Drama and Music). Der erste Leiter war Dinendranath Tagore. Er lebte von 1882 bis 1935. Dinendranath  war der Neffe von Rabindranat Tagore – ein talentierter und herausragender Sänger in Baritonlage, der sich als künstlerischer Leiter von Rabindranath’s Theaterstücken und als Direkter der dramaturgischen Abteilung der Visva-Bharati Universität auszeichnete. Ihm sind mit Kenntnis der westlichen Notation die Niederschriften einer Vielzahl der Melodien von Rabindranath’s Kompositionen zu verdanken.

Die Abteilung „Musik“ (Music Board) der Visva-Bharati Universität, wurde drei Jahre nach dem Ableben von Tagore im Jahre 1944 errichtet. Heute ist sie mit der Ausrichtung von Tagore Festivals und mit Unterrichtsangeboten im Rabindra Sangeet in Kolkatta befasst.

Gandhi-TagoreTagore’s Erbe wird in Indien in Form von Tagore Festivals gefeiert, der alljährlichen Zeremonie von Kapipranam, Tagore’s Geburtstag am 07. Mai. Wallfahrten von Kolkatta nach Shantiniketan und feierliche Liederabende zu festlichen Anlässen sind in der bengalischen Kultur tief verwurzelt. Auch im Ausland wird der Geburtstag von Tagore gefeiert, mit dem jährlichen Tagore-Festival in Urbana (US-Bundesstaat Illinois). Dieses Festival konnte im Jahre 2008 sein 20-Jähriges Jubiläum feiern.

Mit dem Gedicht „Prosno“ in Bangla, der Muttersprache Tagores existiert eine der wenigen noch existierenden Aufnahmen. Sie ist nicht näher datiert. Tagore’s Stimme vermittelt uns die Klangästhetik und Metrik seiner Dichtkunst auf’s Trefflichste.

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Raga CDs des Monats… (02/2009): Moorchana-s…

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on February 13, 2009

Moorchana-s
- Die Matrix der Seele durch Musik.

In der nordindischen und südindischen Klassik gehen die Ragas und Ragams auf die älteste musikalische Abhandlung des Weisen Matanga Muni zurück. Er ist der Verfasser des Brihaddeshi. Matanga lebte vor 2000 Jahren. Von ihm wurden die Moorchana-s (o. Mūrcchanā-s) bereits beschrieben.

Matanga Muni führte in der musikalischen Tradition – Ghandarva – den Begriff Moorchanas ein, in Bezug auf eine frühere Vorform der Ragas, den Jati-s (Jati-Gaan).

“Moorchana” leitet sich aus dem Wortstamm “Moorcha“, ab. Im Sanskrit bedeutet dies: “die Unbewusstheit” (unconsiousness)…

Die Moorchana-s übernehmen eine wichtige Funktion in der Gestaltung von Ragakompositionen. Mit ihnen kann jede der sieben (7) Hauptstufen einer Ragaskale in den Grundton “Sa” verwandelt werden, von dem aus neue Ragas mit den gleichen Intervallabständen des ursprünglichen Ragas entwickelt werden. Dieser “modale Shift” – Shadja – bewirkt in der akkustischen Wahrnehmung eine Veränderung des emotionalen Ausdrucks des ursprünglichen Ragas. Diese Technik wird Moorchana Paddhati genannt.

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Neben dieser antiken Form des modalen Shiftens gibt es eine modernere Variante zur Ableitung der Skalen, dem fixiterten System des Grundtons (fixed Tonic method). Hier wird die erste Stufe Sa beibehalten und einzelne Intervallabstände verändert.

Eine Ragaform, die aus verschiedenen Moorchana-s hervorgeht, wird Moorchanakaraka Raga genannt.

Sendetermin: 17. Februar 2009 – 23:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: Wiederholungstermine ab März ‘09)
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Im Äusseren sind die Moorchanas ein Spiegel der Welt. Der Grundton Sa erzählt ihre Geschichte, wie eine Mixtur von Farben, die von dieser einzelnen Note “Sa” erzählt wird.

Ein Raga ist die Ausdehnung und Kontraktion des Haupttons Sa, wie das Universum selbst erschaffen wurde, wie es sich ausdehnte und begrenzt ist. Das Geheimnis der Moorchanas ist, das Ende mit dem Anfang zu verknüpfen, in einem endlosen Kreislauf der Erneuerung. Dieser Punkt “Sam“, mit Neubeginn wieder “Sa”, ist das Ursprungswort für “Samadhi”, der Verschmelzung mit dem Göttlichen (Devi):

Moorchana sangeet ki papaharini devi hai.” (Hindi)

(Übersetzung: In der Musik sind die Moorchana-s das Göttliche, das von allen Sünden befreit; das Göttliche, das die Seele im Zustand der Sündenlosigkeit besucht.)

Mit Methoden der modularen Arithmetik können die Moorchanas und die sich daraus ableitenden Ragaskalen sehr einfach ermittelt werden. Auch für den Mathematiklaien steht eine 12×12er-Matrix – Moorchana Transform Matrix (MTM) zur Verfügung, mit der sich die Moorchanas eines Ragas sehr schnell berechnen lassen.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Moorchana-s mit mathematischen und computergestützten Modellen hilft uns im rationalen Sinne, die Komplexität der Moorchanas zu entzerren und das kompositorische, gestalterisches Potential für Ragaskalen zu begreifen.

Auf der Basis der 7 Hauptnoten (svara-s), dem melodischen Grundmaterial eines Ragas, werden die Moorchanas in 14 sequentielle Ordnungsmuster gefasst.

sadja-grama (1-7): Uttaramandra | 4 (sa) – 3 (ri) – 2 (ga) – 4 (ma) – 4 (pa) – 3 (dha) – 2 (ni)
Madhyama-grama (8-14): Sauviri | 4 (ma) – 3 (pa) – 4 (Dha) – 2 (ni) – 4 (sa) – 3 (ri) – 2 (ga)

Moochana-s No. 1-14Das System der Moorchana-s ist die umfassendste Quelle, neue Ragas zu entdecken. Der Begriff der Harmonie in der indischen Klassik versteht sich als eine Art Synphonie der Strasse, dem melodischen Terrain eines Ragas. Wie alle Strassen, führen sie in die Welt hinaus; man kann auf ihnen aber auch wieder zurückkehren. So bewegen wir uns mit Hilfe der Moorchanas durch eine Ragaskala, zyklisch in der aufsteigenden und absteigenden Form.

In ihrem ruhenden Zustand des Unbewussten verharren die Moorchana-s still, bis sie uns durch einen “reinen Geist” den Weg zu neuen Ragas und ihren Platz innerhalb der universellen Familie von Ragaskalen öffnen – ein ähnlicher Zustand, wie er sich uns durch Meditationspraxis offenbaren kann.

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Raga CDs des Monats (01/09): Kunnakudi Vaidyanathan – Die sprechende Violine!

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on January 12, 2009

IMC OnAir – IMCRadio.Net der Förderinitiative “IMC – India meets Classic” präsentiert seine erste Radiosendung im Jahre 2009 mit einem Portrait: “Kunnakudi Vaidyanathan – Die sprechende Violine!“.

Kunnakudi Vaidyanatan (© Wikipedia)

Kunnakudi Vaidyanathan (© Wikipedia)

Unsere Portraitsendung ist Dr. Kunnakudi R. Vaidyanathan ( 2.3.1935 – 8.9.2008 ) gewidmet, einem Violinisten der südindischen Klassik. Kunnakudi’s Markenzeichen und ein Ausdruck seiner tiefen religiösen Verehrung, verwurzelt im Hinduismus, war von Weitem sichtbar. Die Stirn mit einem Vibhuti, mit geweihter Asche aus Kuhdung und mit einem grossen, roten Sindoor (Vermilion-Punkt) bemalt, das Symbol der Liebe und Stärke.

Kunnakudi R. Vaidyanathan war ein höchst innovativer, technisch brillanter und beim Publikum höchst beliebten Musiker. Ihm kommt ein wesentlicher Verdienst zu, dass sein Instrument, die Violine eine Neupositionierung als Soloinstrument gefunden hat.

Kunnakudi veränderte die Interpretation der karnatischen, südindischen Klassik und der leichten Unterhaltungsmusik. Den Kriti, eine musikalische Kompositionsform, vereinfachte er in seiner spielerischen Wiedergabe, um den musikalischen Wünschen des Publikums mehr Raum zu geben.

Sendetermin: 19. Januar 2009 – 22:00 Uhr (MESTZ)
(Sendewiederholung: Wiederholungstermin ab Februar ‘09)
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Der Vater, Sri Ramaswamy Sastri entschied sich, KV zu einem herausragenden Violinisten auszubilden, als er neun (9) Jahre alt war. Bereits im Alter von zwölf (12) begleitete Kunnakudi einige der herausragenden Meister jener Zeit, unter Ihnen der grossartige Vokalist der südindischen Klassik: Maharajapuram Viswanatha Iyer (1896 – 1970).

Im Alter von 22 Jahren fand Kunnakudi erstmalig bei einem Filmstar des indischen Kinos Beachtung: M.K. Thyagaraja Bhagavatar. In einem Nebenraum seiner Garderobe eines Studios in Madras spielte Kunnakudi “Bhoomiyil maanida Janmam” spielte, ein Filmsong, durch den Bhagavatar berühmt wurde.

Kunnakudi entschied im Alter von 32 Jahren, nicht mehr als Begleitmusiker aufzutreten. Sein vordringlichster Wunsch war es, die Violine von einem Begleitinstrument in ein Solo-Instrument zu verwandeln. Kunnakudi wollte der Violine einen eigenen Status verschaffen. Zwischen 1974 und 1985 gaben Kunnakudi in Begleitung des Thavilspielers Chakravarti Valayapatti A.R. Subramaniam mehr als 3.000 Konzerte. In dieser einzigartigen Kombination mit dieser selten gespielten, südindischen Trommel und einem einfachen, melodiösen Violinspiel fand Kunnakudi ein grosses Publikum.

Aus einer bereits in seiner Kindheit ausgeprägten Liebe für Filmmusik leistete Kunnakudi einen erheblichen Beitrag zur Anerkennung der süd- und nordindischen Klassik im indischen Film und für die Entwicklung der frömmigen Musik in Tamil. Die gestalterische Fähigkeit, Ragaskalen mit Filmmelodien zu verknüpfen war neben der technischen Brillanz eines der Geheimnisse für seine grosse Beliebtheit.

Kunnakudi Vaidyanathan besaß ein tiefes Vertrauen in die therapeutische Wirkung der indisch klassischen Musik. Kunnakudi gründete 1996 das Raga Research Centre mit Sitz in Chennai, dem er als Präsident vorstand und das von der Landesregierung Tamil Nadus für verschiedenste Forschungen finanziell gefördert wurde.

Im Laufe seiner Karriere ist Kunnakudi für seine Leistungen mit mehr als 200 Titeln und Ehrungen bedacht worden. Im Jahre 2005 wurde er mit dem prestigeträchtigen “Padma Shri” der indischen Regierung ausgezeichnet, 1993 erhielt er den Sangeet Natak Adademi Award der “Sangeet Natak Akademi”, die nationale Akademie für Musik, Tanz und Drama mit Sitz in Delhi und Imphal.

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Happy New Year 2009

Posted by ElJay Arem (IMC OnAir) on January 1, 2009

Thank’s by heart to our listeners, artists, publishers, music labels, speakers and
technic crew making available our annual radio programme…

Next broadcasting: Monday – 19th January 2009 (10:00-10:58 p.m. CET)

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